Simone Betz im Interview

Interview am 13. April 2020

Schon fast einen Monat zu Hause im Corona-Home Office & in der Kurzarbeit, da kommt mir plötzlich der Gedanke: Du hast schon lang keine Interviews mehr für deinen Blog gemacht! Nun hatte ich so viele Dinge auf meiner to-do-list abgearbeitet und neue Ideen entwickelt, doch nichts für den Blog. Endlich war mal Zeit für so viele Ideen, doch wie sollte ich jetzt ein Interview führen? Ganz einfach – via Zoom!

Ich hab Ende März das erste mal einen Online Workshop auf „Bezahl was du willst“ Basis gegeben. Die heutige Künstlerin war da mit dabei. Irgendwie wollte unbedingt mehr über ihre tolle Fotografie und die Persönlichkeit dahinter kennenlernen

So kam es also zum Interview mit der Künstlerin, die ich euch heute vorstellen will:

Simone Betz, online unter dem Namen ROVA Fotografie. Vielleicht kennt sie ja schon jemand? Wenn nicht – dann viel Spaß beim Lesen des Interviews! Mich persönlich fasziniert ihr Fotografie-Stil, besonders ihre Fineart Fotografie. Ihre Kunst hat für mich enorm viel Tiefe und Emotion. Ich bin sehr froh, dass ich die Person dahinter kennenlernen durfte.

Simone Betz / Interview

Frage #01
Als allererstes eine ganz simple Aufgabe: Stell dich mal kurz vor – wer und wie alt bist du? Was machst du?

Ja ich bin die Simone, noch 32 und fotografiere nebenbei. Ich mache da unterschiedliche Sachen. Zum einen konzeptionelle Fotografie mit künstlerischem Ansatz und zum anderen auch Hochzeiten oder Business- und Produktgeschichten.

Frage #02
Da kommen wir dann auch schon zur nächsten Frage. Du machst ja unterschiedliche Richtungen, also Hochzeit, Business und Fineart – wie hat sich das bei dir so entwickelt?

Ich hab in der Schule angefangen. Wir hatten so ein Kinderferienprogramm wo du deine Kinder für verschiedene Sachen anmelden kannst. Da durften wir uns dann aussuchen was wir gerne machen wollen und ich war da mal in einem Fotokurs. Mein Papa hatte eine alte Spiegelreflexkamera Zuhause und mit der hab ich dann in einem Ferienkurs angefangen zu fotografieren. Das war total cool!

Dann haben wir in der Schule eine Foto AG gehabt, in der ich mitgemacht habe. Ich hab ein paar Praktika gemacht, wollte aber nie in so ein klassisches Portraitstudio. Mir war gar nicht bewusst, dass man das studieren kann und kannte das nur zur Ausbildung, zum Beispiel bei Werbestudios. Ich wollte aber eigentlich immer Medizin studieren und es wäre für mich Plan B gewesen als Überbrückung der Wartezeit.

In einem der zwei einzigen Werbestudios bei uns hab ich dann ein Praktikum gemacht. Das andere fand ich auch sehr cool, aber zu der Zeit war ich noch nicht so weit. Es war sehr hoch angesehen und man musste auch eine Mappe zur Bewerbung hinschicken. Die hatte ich zu der Zeit noch nicht. Dann habe ich das immer im Hintergrund weiter gemacht, mit 16 dann das erste Mal auch eine Hochzeit fotografiert. Damals hat man das noch anders gemacht, also Paarshootings anstelle von Reportagen.

Simone Betz / ROVA Fotografie Interview

Wie man es kennt, kamen viele Freunde und meinten „Hey du hast doch eine Kamera – kannst du uns mal fotografieren?“ Das kam dann einfach so irgendwie, ich habe nie darüber nachgedacht das Fotografieren als Beruf zu machen. Hab dann halt so typisch Reise, Landschaften und Blumen fotografiert – alles was ich schön fand.

Später bin ich dann für einen Job nach Köln gezogen, wo mein Exfreund schon etwas professioneller mit Studiolicht Modelle fotografiert hat. Da habe ich mich dann mit konzeptioneller Fotografie beschäftigt. Normale Portraits haben mich nie wirklich gereizt, das war für mich als setze ich einen Menschen da für ein Passbild hin, drückst ab und fertig. Seit 4-5 Jahren beschäftige ich mich dann jetzt sehr viel damit.

Frage #03
Jetzt weiß ich schon mal wie es zu deiner Fotografie kam. Nun zu deinem Namen: Wie kam denn der Name ROVA zustande?

Das ist eigentlich eine komische Geschichte. Mein Vater ist selbstständig und hat eine Metall- & Kunststoffverarbeitung und der frühere Besitzer der Firma hieß Rot und der sitz ist in Vach. Da war das Kürzel was auf den Kisten stand dann immer RO VA. Ich hab ne Zeit lang mit ihm zusammen Produkte gemacht und versucht die zu vertreiben. Dazu habe ich ein Gewerbe angemeldet und auch das Logo erstellt. Als ich die Fotografie angefangen hab, hat das irgendwie darunter gepasst. Dann hab ich das irgendwie nicht geändert.

Das kenne ich, ich hab mein gefuehltefarben auch beibehalten aus einem meiner drei Blogs, die ich früher hatte. Mittlerweile denke ich zum Glück, weil es so einprägsam ist!

Frage #04
Nächste Frage! Was inspiriert dich zu deinen Arbeiten?

Das ist auch total vielschichtig und lässt sich gar nicht pauschal beantwroten. Es ist total unterschiedlich. Natürlich bin ich total addicted zu anderen Fotografen, schau mir Bücher an (zeigt auf die Bücher hinter sich) und könnte unendlich viel Geld für Fotobücher ausgeben. Man holt sich auch natürlich auch Inspiration über Instagram oder Pinterest, aber das schlägt bei mir meistens in große Demotivation um. Ich denk mir dann immer „Es ist schon alles fotografiert und so großartig gemacht worden. Da macht’s gar keinen Sinn, dass ich überhaupt was dazu mache!“

Sozusagen, dass man sich automatisch vergleicht. Das Problem kennen sicherlich einige!

Total! Und da bin ich mega anfällig dafür. Es gibt scheinbar Menschen, die das überhaupt nicht sind und alles von sich wegschieben können. Ich aber leider nicht.

Es ist bei mir oft so, dass ich bestimmte Themen hab und denke ich muss dazu unbedingt ein Bild machen. Oder ein Gefühl. Manchmal bin ich auch an einem Ort und mir kommt plötzlich ein Bild in den Kopf, das dazu passt. Ich hab auch eine Serie angefangen, da ich mit meiner Arbeit so viel unterwegs bin. Da fotografiere ich die Blicke aus den Hotelfenstern. Keine Ahnung was ich damit mache oder was das überhaupt soll, aber manchmal passiert sowas einfach. Oder ich sitze im Hotel und da ist eine schöne Wand mit der ich unbedingt etwas machen muss.

Simone Betz / ROVA Fotografie Interview

Ich hab auch so ein Skizzenbuch, weil manchmal kommen mir Ideen und ich habe gerade nicht die Muse das umzusetzen. In der richtigen Stimmung schau ich dann da rein ob da was passt.

Ich liebe auch Museen! Aber nicht so die moderne Kunst, sondern eher alte Meister. Da dann auch das Licht, Gemälde, Szenen oder eben auch Musik. Das was ich gerade sehe und spannend finde.

Der interessanteste Punkt war, dass es bei dir eben auch oft einfach aus dem Nichts, aus Gefühlen und Momenten kommt! Da merkt man auch wieder, dass die Kunst bei vielen Leuten einfach genau daraus entsteht.

Frage #05
Weil du gerade deine Bücher erwähnt hast:
Was sind denn deine Lieblingskünstler oder auch Fotografen?

Also ich LIEBE Tim Walker, der ist Fashionfotograf. Der ist großartig, macht das gerne in so einer verspielten Fairytale Richtung. Welches Buch ich auch toll finde ist „Wonderland“ von Kirsty Mitchell. Das Buch ist auch so wunderschön gemacht, der Einband – alles. Ich bin auch ein sehr haptischer Mensch, damit kann man mich ganz schnell begeistern.

Das mit der haptischen Veranlagung kenne ich zu gut. Irgendwie ist das bei mir auch der Grund warum ich einfach der digitalen Malerei nicht näher komme. Ich muss immer das Papier spüren.

Für die Hochzeiten mache ich auch gerne Alben. Wenn ich könnte und die Paare es zulassen würden, dann würde ich das jedem mitgeben. Das ist wie so ein kleiner Schatz! Es gibt da einfach so viele Unterschiede zwischen einem billigen Druck und einem richtig gut gebundenen Album.

Wen ich auch mega cool finde und die ich selbst interviewen durfte, ist Brooke Shaden. Das ist eine amerikanische Fotografin. Aber ich muss mich da sehr oft schützen, sie ist so ein extrem toller Mensch und gibt unglaublich viel Output. In den Stories, den Bildern, den Texten – was sie jeden Tag macht, da frag ich mich immer „Wie machst du das? Ich hab da gar keine Zeit und Energie dafür.“

Ihre Arbeiten kenne ich auch, sie macht nichts anderes oder? Dann ist man da auch voll und ganz drin und hat die Zeit.

Ja genau und auch nur diese eine Nische, also konzeptionelle Fotografie. Es gibt so viele tolle Künstler und Maler. Ganz früher fand ich auch Leonardo DaVinci toll, oder die Farben von Rembrandt. Allgemein alte Meister – Van Dyk, Vermeer. Wobei ich malen und zeichnen gar nicht kann, meine Skizzen kann auch nur ich entziffern. Man kann aber auch so viel von ihnen lernen über Bildaufbau, Farben oder auch Lichtsetzung.

Frage #06
Jetzt zu deiner Fineart Fotografie – wie entsteht so ein Bild? Wie kann man sich das vorstellen?

Auch das ist unterschiedlich. Es kommt darauf an wie die Inspiration ist. Entweder ist es so, dass ichirgendwo an nem Ort bin. Oft ist es auch so, dass ich alleine unterwegs bin und von den Orten mega inspiriert bin. Dann bin ich an einem Ort mehrere Stunden und mache einfach Selbstportraits. Das hat den Vorteil, dass ich in meinem Kopf genau weiß was ich mit dem Bild am Ende mache und gerade auch einfach da bin. Wenn ich mit einem Model irgendwo hingehen würde, dann muss es zum einen zu meiner Bildidee passen und das Bild genau so verstehen wie es in meinem Kopf ist.

Simone Betz / ROVA Fotografie Interview

Ich glaube da bin ich oft auch unfähig das richtig zu erklären. Wenn es nicht so ist wie ich gedacht hab, dann hab ich oft auch ein schlechtes Gewissen. Manchmal ist es auch so, dass das Bild so nicht realisierbar ist und ich finde es dann immer schade, wenn sich jemand die Zeit dann genommen hat und nichts dabei rauskommt. Ich kann das nicht garantieren, dass ein Ergebnis herauskommt und ich komme mir dann schlecht vor. Es ist einfacher wenn ich mit mir selbst arbeite.

Ich hab früher auch oft mal Selbstportraits gemacht, daher kommt mir das bekannt vor. Wenn ich eine Bildidee im Kopf hatte, dann musste ich das einfach direkt umsetzen und konnte nicht warten.

Genau! Und man hat dann in den meisten Fällen einfach nur sich selbst. Ich stell dann einfach meine Kamera auf ein Stativ und habe eine App auf dem Handy. Da seh ich das Bild dann und kann meine 100-200 Versuche machen. Meistens mache ich dass dann mit der „Benizer Technik“. Eigentlich ist das so ne Art Panorama Technik. Ich mache quasi ein Leerbild ohne mich, fotografiere die Szenerie drum herum und setze das zusammen. Irgendwann wenn die Muse dann danach da ist, wird das Bild bearbeitet.

Tatsächlich ist es so, dass genau dieser Schritt das Bild zu bearbeiten und fertigzustellen der schwerste ist. Für mich ist das Bild im Kopf quasi ja schon fertig und oft ist es so, dass die Bearbeitung nicht so funktioniert wie ich mir das vorgestellt habe. Dann bin ich wieder frustriert. Andere Fotografen sind da total anders, die setzen sich sofort hin und veröffentlichen das sofort. Das ist bei mir irgendwie überhaupt nicht so.

Frage #07
Was ist denn dein eigentliches, ganz persönliches Ziel mit deiner Kunst?

Huh! Gute Frage. Letztes Jahr hab ich sehr viel daran gearbeitet von der Fotografie leben zu können. Das hat sich nicht ausgegangen wie man das so sagt. Ich glaube das liegt auch daran, dass ich zu wenig „salesy“ bin. Also ich bin dann eher so „oh ich find das so toll was du machst – darf ich das fotografieren?“ und dann mache ich das kostenlos.

Mein Geschmack ist glaube ich auch nicht ganz so Mainstream. Zum Beispiel wie ich Hochzeiten fotografiere. Klar mache ich die klassischen Reportagen auch, aber wie ich Details oft fotografiere, ist nicht ganz so Mainstream. Für mich ist der Anspruch an ein Bild auch nicht „Das muss scharf sein“ wie es denke ich bei ganz vielen der Fall ist. Ich mache viele Bewegungsbilder bei Hochzeiten, also wenn die beiden vorbei laufen, wenn sich der Schleier oder das Kleid bewegen. Die Bewegungsunschärfe mag ich total. Oder im Spiegel fotografieren, was dem ganzen noch einmal eine neue Dimension gibt. Aber das ist glaube ich auch einfach nicht so Mainstream wie gesagt.

Simone Betz / ROVA Fotografie Interview
Simone Betz / ROVA Fotografie Interview

Jetzt bin ich gerade an einem Punkt wo ich das nicht mehr so genau weiß. Ich hatte auch ganz viele Ausstellung. Letztes Jahr eine ganz große, die Unmengen von Geld gekostet hat. Leute lieben es in Ausstellungen zu gehen, sich künstlerisch und eloquent zu fühlen, aber Geld dafür ausgeben wollen gefühlt die Wenigsten. Dann war ich einfach so an einem Punkt wo ich überlegt hab „Was mach ich jetzt eigentlich damit, will ich das weitermachen?“. Da hab ich aber auch noch nicht so DIE Antwort.

Ich weiß aber auch, dass ich damit nicht aufhören kann. Bestimmt hundert mal hab ich gesagt, dass ich aufhöre und keinen Bock mehr hab. Irgendwie geht’s aber auch nicht. Ich nehm die Kamera dann doch auch immer wieder in die Hand, selbst wenn ich unmotiviert bin. Konzeptionell hab ich jetzt schon ewig nichts fotografiert, dieses Jahr noch gar nichts. Aber gestern musste ich auch unbedingt die gefärbten Ostereier fotografieren und irgendwas drumrum drapieren. Da merke ich dann, dass aufhören auch nicht geht.

Das ist aber auch eine Antwort, keine Antwort zu haben. Du hast von deinen Höhen und Tiefen erzählt. Es ist sicher für sehr viele sehr interessant zu wissen wie schwierig es in der Kunst sein kann. Selbstvermarktung gehört auch dazu und das ist wirklich nicht einfach. Ich bin ja selbst zwar sehr extrovertiert, aber bis ich mich getraut habe auf Videos zu sprechen! Viele Leute wollen entertaint werden. Das muss auch gelernt werden und auch das ist sehr viel Arbeit. Auf Social Media kann man das natürlich ganz leicht aussehen lassen.

Ja! Das ist glaube ich oft der Trugschluss bei den sozialen Medien, dass man denkt derjenige verdient total viel Geld. Da sind viele Leute, der oder diejenige hat nen Online Shop und die verkauft da und hat mega Ausstellungen. Dass das alles oft mehr kostet als es einnimmt, das sehen die wenigsten. Dann denken die Menschen oft, dass man erfolgreicher ist als man es eigentlich ist.

Simone Betz / ROVA Fotografie Interview

Frage #08
Was möchtest du den Lesern noch mitgeben?

Versucht eure Stimme zu finden, also nicht andere Dinge nachzumachen. Klar um ein Handwerk zu lernen muss man natürlich viele Stile ausprobieren und all das. Ich hab auch irgendwie sämtliche Sachen in unterschiedlichen Herangehensweisen. Irgendwann muss man aber an den Punkt kommen, an dem man das in seine eigene Stimme verwandelt. Man muss versuchen sich von dem Nachmachen loszureisen.

Social Media ist für mich Fluch und Segen: Für mich ist es eher Demotivation wie schon erwähnt, auch das Unterbewusst sein spielt einen da manchmal so einen Streich. Wenn man eine Idee im Kopf hat und dann irgendwo so etwas ähnliches sieht, dann fragt man sich ob es vielleicht doch nicht die eigene war. John Lennon ging das mit „Let it be“ glaube ich ähnlich. Er dachte auch er hatte die Melodie schon mal gehört zu haben und hat unzählige Leute gefragt. Erst als die ihm sagten es sei etwas neues, hat er es geglaubt.

Ja stimmt, aber es ist ja auch trotzdem alles schon einmal irgendwie da gewesen. Niemand kann quasi das Rad komplett neu erfinden.

Das stimmt. Das ist auch irgendwie das Spannende, wenn man viel aus den eigenen Gefühlen und Emotionen heraus macht, dann entdeckt man auch immer wieder die gleichen Emotionen. Egal ob das jetzt Poesie, Musik oder Bilder sind. Man merkt, dass diese Dinge schon immer irgendwie künstlerisch umgesetzt worden sind.


ProgressBar WP

Hier kannst du alle Seiten von Simone entdecken:

Fineart: https://www.rova-fineart.com/ | Instagram: @rova_fineart
Wedding: https://www.rova-wedding.com/deutsch/ | Instagram: @rova_wedding
Business: https://www.rova-fotografie.de/ | Instagram: @rova_fotografie

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