5. Oktober 2019

Es ist der zweite Tag der Hoftexplosion 5, während Kasi und ich dieses Interviews führen. Wir stehen draußen vor der Halle wo er an seinem Bild arbeitet. Das Wetter ist ziemlich frisch, windig und auch ein wenig regnerisch. Ich durfte Kasi schon im Vorjahr bei der Hoftexplosion kennenlernen und dieses Jahr habe ich die Gelegenheit gleich am Schopf gepackt, da ich für den Blog die verschiedensten Leute interviewen will. Er ist ein wirklich witziger und netter Künstler. Ich finde seine extrem knalligen, bunten Arbeiten einfach unglaublich cool. Sie sind ausdrucksstark. Sie sind lebendig. Während des Interviews habe ich ihn zu seinem Namen, seiner Intention und seinen Inspirationen befragt. Es hat eine Weile gedauert bis ich euch dieses Interview vorbereitet habe, aber hier ist es. 😀 Nun wünsche ich euch viel Spaß dabei diesen Künstler näher kennenzulernen!

Kasi.is.muss bei der Arbeit
Kasi.is.muss bei der Arbeit

Frage #01
Du bist der Kasi & nennst dich als Künstler Kasi.is.muss. Erzähl doch mal was über dich: Wie alt bist du? Wo kommst du her? Was hat dich nach Hof verschlagen?

Also ich bin 31, komme ursprünglich aus Thüringen und bin wegen meiner Frau hierher gezogen. Sie arbeitet beim Theater. Wir sind von Hamburg nach Hof umgezogen. Es war auch ausschlaggebend ob man hier in der Stadt etwas machen kann oder nicht. Es war relativ schnell klar, dass hier in Hof künstlerisch ein bisschen was geht.

Frage #02
Was bedeutet eigentlich dein Künstlername? Wie kam es dazu?

Woher Kasi kommt? Ich heiße ja Karsten, beim Fußball haben mich alle Kasimir genannt, aber das war zu lang. Irgendwann wurde daraus einfach Kasi und meine Freunde nannten mich alle so. Ich fand das auch als Sprayer Namen ganz angenehm, weil Kasi kurz ist – 4 sehr sympathische Buchstaben. Kasi.is.muss ist die Marke. Als ich mit einem Kumpel Visitenkarten für mich entworfen habe, sind wir darauf gekommen.

Wir haben überlegt, dass bei den ganzen Social Media Namen eine Endung steht und dann über verschiedene Kunstrichtungen wie Dadaismus und sonstiges gesprochen. Mein Kumpel meinte zwischendurch „Aber so ’n Kasi is schon ein Muss“. Natürlich haben wir es mit Doppel s geschrieben um das Wortspiel zu betonen. Das Ganze war sozusagen eine Schnapsidee und das hab ich dann beibehalten.

Nach wie vor nennen mich viele Freunde Kasi und so muss ich mich auch nicht verstellen – man wird als Freund und Künstler wahrgenommen. Ich stelle mich immer als Kasi vor. Irgendwie macht das keinen Unterschied mehr für mich.

Aber das passt ja auch irgendwie zum Image. Es ist kurz, prägnant und einfach schön locker. Schnapsideen sind ja bekanntlich immer die besten!

Foto: Kasi

Frage #03
Was für Kunst machst du? Also, du bist ja Sprayer, aber was ist die Intention in deinen Bildern und was willst du den Betrachtern näher bringen?

Die aktuelle Kunst, die ich mache, hat sich eher durch einen Frust entwickelt. Früher habe ich abstrakte Sachen gemalt: Stillleben, Acrylmalerei und auch Aquarelle wie du es machst. Und irgendwann habe ich mehr abstrakte Sachen gemacht. Ein großes  Thema war „Der Mensch ist bunt“. Ein Statement gegen Rassismus. Das war in etwa 2012 und kam super an. Irgendwie habe ich dann aber den Faden verloren und eher Auftragsarbeiten wie Portraits oder Städte-Skylines gemalt.

Dann kam der Moment. Ich habe meine Bilder angeschaut und mir gedacht: „Jo, da erkennt kein Mensch, dass das von mir ist.“ Ich war natürlich super frustriert, hab gesagt ich mache sowas erstmal gar nicht mehr und überlegte mir neue Motive. Mir war wichtig etwas zu machen, was den Menschen bewegt. Ich wollte bei Portraits bleiben und mir ist aufgefallen, dass es ganz wenig Bilder von älteren Menschen gibt, die Fratzen ziehen. 

Ja, das stimmt – so wie das große, dass du letztes Jahr innen an der Wand gemalt hast, oder?

Es ist auch schon eine erste Emotion. Das ging schon in diese Richtung, aber ich wollte es noch nicht so übertreiben. Dort war eher so dieser Ruhepol im Raum. Alte Menschen erzählen so viel, ihre Falten und alles – das finde ich spannend. Ich wollte zurück zu dem Bunten. Der Mensch, den ich hier gerade male, hat eine europäische Art.

Man kann mit den ethnischen Hintergründen der Menschen schon spielen, aber es soll für den Betrachter in erster Linie einfach bunt sein. So kann sich jeder angesprochen fühlen. Es ist ein Mischmasch aus Graffiti, ein bisschen Fotorealismus und mein eigener Stil. Jeder der Künstler in der Halle hat seinen eigenen Stil und ich glaube genau das ist die Kunst – diesen zu finden. So hat sich meine aktuelle Kunst entwickelt. Was ich in drei Jahren mache, weiß ich noch nicht. Vielleicht gibt es dann neue Einflüsse oder ich mache einfach etwas ganz anderes -zum Beispiel Kalligraphie.

Foto: Kasi

Das kenne ich, bei mir ist auch total bunt gemischt was nacheinander so entstanden ist. Man entwickelt sich irgendwie und auch wenn der Stil dazwischen wechselt, hat man ja irgendeinen Wiedererkennungswert.

Stimmt – solange dieser Wiedererkennungswert eben drin bleibt. Ich kann hier auf der Wand auch keine richtige Skizze machen, nur ein grobes Motiv vorher aussuchen. Das meiste kommt aus dem Kopf, auch wenn ich mir ein paar Styles im Hintergrund zurechtgelegt habe. Darüber lege ich dann mein Motiv. Es gibt eine Art Routine und trotzdem wird das Bild jedes Mal anders. Wenn dann doch mal jemand kommt, dass man schon wieder das Gleiche malt, dann wird es vielleicht Zeit was Neues zu machen.

Zum Beispiel einfach mal nur die Farben ändern? Wobei es bei mir zum Beispiel auch Farben gibt, mit denen ich gar nicht klar komme.

Das mit den Farben ist bei mir auch ein bisschen einheitlich. Grundsätzlich finde ich türkis, orange und pink sehr ansprechend. Aber es stimmt, es gibt auch Farben mit denen tue ich mir schwer. Rot zum Beispiel nutze ich meist nur als Akzent.

Foto: Kasi

Frage #04
Warum bist du Sprayer geworden und was fasziniert dich so daran?

Warum Sprayen – das ist ne gute Frage. Ich hab damals in der Realschule mit einem Kumpel angefangen zu sprayen und hatte Einfluss durch ein, zwei Künstler in Gotha, die wahnsinns Bilder gemalt haben. Die waren eher technisch. Ich hab auch von klein auf gemalt. Da war nie so ein Break drin und irgendwann haben ein guter Freund und ich angefangen mit Graffiti. Wir haben uns gegenseitig gepusht, alles im Legalen natürlich, denn in Gotha gab es legale Flächen wo man malen konnte. Dadurch, dass ich von Anfang an so affin war, habe ich es verfolgt. Da gab es diese Wände und das war einfach cool.

Damals war halt mein Problem, dass ich es mir nicht leisten konnte. Es gab nie diesen Anlaufpunkt im Internet und man konnte nur die teuren Farben aus dem Baumarkt nutzen. Die haben nicht mal richtig gedeckt, wodurch dann auch ein wenig der Spaß mit dem Kostenfaktor verloren ging. Für mich hab ich es aber weiter betrieben, viele Skizzen und viele Arbeiten auf Leinwand gemacht. Als ich in Hamburg war, hab ich auch viele Leute kennengelernt, die Flächen zur Verfügung gestellt haben. Da kam dann der Gedanke wie cool es wäre mal wieder auf ner großen Wand etwas zu verwirklichen. Hier in Hof hab ich dann auch die Möglichkeit bekommen. Zum Beispiel am Rockwerk.

In Hof war auch von Anfang an die Bereitschaft da. Viele Leute haben Lust darauf. Durch das Rockwerk, durch dass Season und es gibt noch weitere 2-3 Firmen bei denen ich zukünftig bald was sprayen darf. Für mich ist es schön einfach wieder etwas sichtbares für eine größere Masse zu machen. Als Künstler willst du ja auch wahrgenommen werden und da ist die Wand einfach das größte Medium. Ich glaube Hamburg war noch einmal so ein Faktor für mich, da ich mich dort wieder mehr damit beschäftigt habe. Das Medium Kunst und Graffiti im urbanen Raum liegt mir sehr am Herzen. Es macht mir mehr Spaß als zehn Bilder zu verkaufen, die irgendwo in einem Kämmerchen verstauben.

wandbild kasi
Foto: Kasi

Frage #05
Was bedeutet die Kunst für dich persönlich?

Fast zu viel manchmal. Ich persönlich merke schon, dass es für mich ein sehr wichtiges und krasses Lebensgefühl ist. Nach acht Stunden auf der Arbeit kann ich nach Hause kommen und nochmal fünf Stunden malen. Irgendwie habe ich da so einen inneren Antrieb. Für mich ist das wirklich Entspannung, was andere oft nicht so wahrnehmen. Auch Auftraggeber wissen oft nicht was da alles noch dazu gehört, so ist das ja auch beim Partner. Wenn ich da im Internet surfe und Bilder suche, dann ist es für den anderen als macht man gar nichts.

Klar wäre es auch ein Traum für mich als Künstler zu arbeiten und damit Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass es so auch gut ist. Man hat Abstand und ist nicht abhängig davon. Trotzdem habe ich den Spaß dabei. Ich würde nicht davon leben wollen, wenn man realistisch ist, dann ist es bei dieser Sparte auch zu groß. Es ist schon ein sehr großer Teil meines Lebens und da gibt es auch Konflikte.

Ich glaube es gibt viele, die so etwas nicht nachvollziehen können, wenn man ein ganzes Wochenende lang nur malt. Beim Partner zum Beispiel, da muss das auch einfach passen. Wichtig ist auch, dass man keine Steine in den Weg gelegt bekommt. In den letzten Tagen habe ich mich mit einem Sprayer unterhalten. Er hat mir erzählt, dass da schon ein, zwei Beziehungen auch dran kaputt gegangen sind. Da merkt man dann schon, dass einem da Graffiti – oder Kunst – auch mehr bedeutet und das ein großes Lebensgefühl ist.

kasi.is.muss
Foto: Kasi

Frage #06
Welche Künstler inspirieren dich?

Viele Streetart und Graffiti Künstler, aber auch Gerhardt Richter. Ich weiß gar nicht wie man das so beschreiben kann, denn ich orientiere mich wenig an anderen Künstlern. Natürlich schaue ich Sachen an und denke mir dann „krasses Motiv und Ausarbeitung“, aber mehr als Inspiration für mich selbst. Inspirieren klingt für mich oft so als ob man sich an jemanden orientiert. Ich folge ganz vielen, aber ich achte da nicht so genau drauf.

Inspirieren hat auch etwas mit motivieren zu tun. Ich finde es spannend, dass man Bilder sieht und sich denkt „das ist krass, da will ich auch hinkommen“. Dadurch, dass die Graffiti- und die Kunstszene so groß sind, finde ich es auch schwierig immer bei einem aktuellen Trend zu bleiben. Das wechselt so schnell. Ich schaue mich nebenbei um und dann kommt das von alleine. Das sauge ich einfach mit auf. So lasse ich mich motivieren.

In der Anfangsphase gab es Sokar Uno, der kam aus Thüringen, aber aktuell malt der gar nicht mehr so große Bilder. Er hat mich anfangs so motiviert, da er so einen eigenen Stil und Motivauswahl hatte. Aber ich selbst orientiere mich selbst echt wenig an anderen Künstlern. Da ist irgendwie so ein eigener Antrieb.

Foto: Kasi

Sowas wie die Hoftexplosion hier finde ich auch sehr spannend und inspirierend, weil man die Kunst vor Ort erlebt. Ich gehe unglaublich gerne auf Ausstellungen, bereise Städte und schau mir solche Festivals an. Da ist einfach das Feeling da, jeder Künstler hat ja seine eigene Intention wie er etwas machen möchte. Mir ist es wichtig meiner Umgebung bunte Sachen zu präsentieren und das Leben bunter zu machen.

Ich würde mich riesig freuen wenn in Hof brache Flächen und Baulücken mit kräftigen Farben gefüllt sind. Es muss nicht unbedingt ein Motiv sein, es kann ja auch so gesprenkelt wie der Hintergrund gemacht werden. Da würde ich mir einfach wünschen, dass es noch mehr Flächen gibt. Mich interessiert der Kontakt mit den Künstlern und das Dürfen. Wenn man gesagt bekommt „Du darfst das machen, überleg dir einfach was“.

Kasi – hab dank für dieses Interview! Es ist schön, dass ich mehr über dich und deine Kunst erfahren durfte. Ich freue mich, dass meine Leser dich somit ein klein wenig kennenlernen können.

kasi.is.muss
Foto: Kasi

Dir gefällt das Interview? Hier gibt es noch eines!
Künstlerinterview mit Valle Kunterbunt

Hier geht’s zu Kasi’s Website:
https://www.kasiismuss.de/

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